Konzeption

Was würden Sie arbeiten BGE Berlin 2013Die gesellschaftliche Diskussion um die Reformidee eines "bedingungslosen Grundeinkommens" (im Folgenden abgekürzt „BGE“) zieht mit bemerkenswerter Ausdauer immer weitere Kreise, so scheint es, besonders bei Jüngeren. Weltweit sprießt ein Grundeinkommensexperiment nach dem anderen aus dem Boden. Im Bundesland Schleswig-Holstein hat sich in Deutschland, sieht man einmal von dem wohl eher singulären Fall des früheren thüringischen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus ab, erstmals eine amtierende Regierung dem Thema angenommen und mit ihrem Koalitionsvertrag ein „Zukunftslabor Soziale Sicherung“ im Landtag eingerichtet. Darin soll neben dem FDP-Bürgergeldkonzept und weiteren Ansätzen insbesondere die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert und geprüft werden.

Ein solches Grundeinkommen würde zweifellos tief in die bisherige Architektur des Sozialstaats, des Arbeitsmarktes, der Wirtschaft, in das Leben von Familien bzw. Bürgerinnen und Bürgern, in das Gemeinwesen insgesamt eingreifen, sowohl national wie auch international. Das mit der Industrialisierung und dem Aufstieg des Kapitalismus ausgebildete und in den letzten Jahrzehnten in seinem Geltungsbereich sogar noch weiter ausgeweitete Sittlichkeitsmodell einer „Arbeitsgesellschaft“, wonach Erwerbsarbeit normativ für jeden Erwachsenen bis zum Ruhestand das Normalmodell der Lebensführung darstellt und die Verteilung des materiellen Wohlstands in der Breite maßgeblich über das Kriterium Arbeitsleistung organisiert wird, würde – zumindest in dieser exklusiven Zentralität – aufgegeben.

Wie sehen jene Problemdiagnosen aus, die für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Lösungsmodell vorgebracht werden, und wie triftig sind sie? Was würde die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für die verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereiche bedeuten? Welche Chancen und Risiken wären mit ihm verbunden? Mit der interdisziplinären Ringvorlesung beteiligen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie weiterer Forschungseinrichtungen Schleswig-Holsteins und des deutschsprachigen Raums an der laufenden gesellschaftlichen Diskussion mit einigen akademischen Beiträgen.

Wie es für eine akademische Diskussionskultur charakteristisch ist, stehen dabei weniger praktisch-normative Stellungnahmen zum Thema im Vordergrund als die argumentative Begründung oder Kritik von Behauptungen (von „Aussagen über die Welt“), die in der Diskussion zum BGE vorgebracht werden. Zwar stößt die Wissenschaft gerade bei dem Thema BGE deutlich an ihre Grenzen, weil es bisher empirisch noch gar kein Gemeinwesen gegeben hat, das ein BGE für eine längere Dauer und in der intendierten Breite ausprobiert hätte. Und der Geltungsgrund von Erfahrungswissenschaften sind ja nun mal „Erfahrungsdaten“, die als solche der Vergangenheit entstammen, weswegen eine erfahrungswissenschaftliche Zukunftsforschung im engeren Sinne insbesondere in den Geistes-, Sozial-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften ein Ding der Unmöglichkeit ist. Aber die Wissenschaft kann dennoch aus der Perspektive bisheriger Erfahrungen und darauf aufbauender Theorien hilfreiche Extrapolationen und somit realistischere Prognosen zur Diskussion beitragen, zumal sie sich normalerweise die mächtige Logik des expliziten Schlussfolgerns und Argumentierens auf hohem Niveau zunutze zu machen versteht.

Die gleichwohl auf Allgemeinverständlichkeit Wert legenden, auch für die interessierte Öffentlichkeit von Bürgerinnen und Bürgern konzipierten Beiträge der Ringvorlesung kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und berühren ein breites Spektrum an Fragen und Aspekten. Im Anschluss an einen 45 bis 60 minütigen Vortrag findet eine Diskussion statt. Die Termine wurden aufgezeichnet. Die Aufnahmen stehen in der Programmtabelle unten in der rechten Spalte zur Ansicht zur Verfügung. Die Aufnahmen sind darüber hinaus auch als Playlist bei Youtube abrufbar: Ringvorlesung bei Youtube

Konzeption und Kontakt: Dr. Manuel Franzmann, Philosophische Fakultät, CAU-Kiel, franzmann@paedagogik.uni-kiel.de

Die Ringvorlesung wird dankenswerterweise gefördert durch: Alumni und Freunde der CAU e.V., Universitätsstiftung der CAU, B&B Hotels Kiel.

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Das Zukunftslabor des Landes Schleswig-Holstein hat bereits seine Auftaktveranstaltung absolviert, deren Vorträge und Diskussion per Video unter dem folgenden Link zugänglich sind: Auftakveranstaltung Zukunfslabor

Programm und Videoaufnahmen der Ringvorlesung:

Zeit und Ort

Redner/in

Titel des Vortrages

23. April 2019 (Dienstag)
18.15 bis 20.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Dr. Alexander Lorch

  • Promovierter Wirtschaftsethiker
  • CAU Kiel, Philosophisches Seminar
  • Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics

Philosophische Überlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

26. April 2019 (Freitag)
14.15 bis 16.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Roswitha Pioch

  • Fachhochschule Kiel, Professur für “Politische Zusammenhänge der Sozialen Arbeit“

Bedingungsloses Grundeinkommen – Chancen und Hürden der politischen Umsetzung einer guten Idee.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

30. April 2019 (Dienstag)
18.15 bis 20.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Dr. Thieß Petersen

  • An der CAU promovierter Volkswirt
  • Senior Advisor bei der Bertelsmann-Stiftung, Programm Megatrends
  • Dozent an der Professur für Europastudien der Universität Frankfurt/Oder

Makroökonomische Effekte eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

Abstract

10. Mai 2019 (Freitag)
14.15 bis 16.00 Uhr

Christian-Albrechts-Platz 2, Hörsaal H = Auditorium Maximum

Prof. Dr. Hilmar Schneider

  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler
  • Leiter des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit GmbH (IZA) in Bonn

Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen oder besseren Mathematikunterricht?

Audioaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

Power-Point-Präsentation: Präsentationsdatei

(Die Videoaufzeichnung ist bei diesem Termin bedauerlicherweise technisch gescheitert, die Audioaufzeichnung nur eine Notlösung, die mit einem einfachen Audiorekorder angefertigt wurde.)

17. Mai 2019 (Freitag)
16.00 bis 17.45 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Ute Fischer

  • Fachhochschule Dortmund, Professur für Politik- und Sozialwissenschaften

Befreiung oder Rolle rückwärts? Chancen und Grenzen eines BGE aus Genderperspektive.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

24. Mai 2019 (Freitag)
16.00 bis 17.45 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Gesine Stephan

  • Universität Erlangen-Nürnberg, Professur für Volkswirtschaftslehre insbesondere Empirische Mikroökonomie
  • Leiterin des Forschungsbereichs "Arbeitsförderung und Erwerbstätigkeit" am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg

Feldexperimente in der Arbeitsmarktforschung: Potenziale, Herausforderungen und Praxisbeispiele.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

Abstract

31. Mai 2019 (Freitag)
16.00 bis 17.45 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Ueli Mäder

  • Emeritierter Professor der Soziologie 
  • Universität Basel, Seminar für Soziologie

Soziale Sicherung demokratisieren (statt ökonomisieren).

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

Abstract

7. Juni 2019 (Freitag)
14.15 bis 16.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Bernhard Neumärker

Bedingungsloses Grundeinkommen: Schaffung von Freiräumen in einer Sozialen Marktwirtschaft 4.0
 
Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

 7. Juni 2019 (Freitag)
14.15 bis 16.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Michael Opielka

  • Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Professur für Sozialpolitik
  • Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des ISÖ – Institut für Sozialökologie, Siegburg

Das Grundeinkommen im Zukunftslabor. Zum Verhältnis von Geld-, Sach- und Dienstleistungen im Wohlfahrtstaat der Zukunft.

Der Vortrag musste krankheitsbedingt an dem ursprüngliche geplanten Termin ausfallen und wurde später in einem Studio des Offenen Kanals Schleswig-Holstein nachgeholt. 

Videoaufzeichnung: Vortrag mit Diskussion - Info-Seite

Siehe auch die Auftakveranstaltung des Zukunfslabors

11. Juni 2019 (Dienstag)
18.15 bis 20 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Thomas Straubhaar

  • Universität Hamburg, Professur für Volkswirtschaftslehre insbesondere Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Bedingungsloses Grundeinkommen. Von der Utopie zur Realität.

Videoaufzeichnung: Vortrag Diskussion

Abstract

(Derzeit ist noch unklar, ob die Videoaufzeichnung zu einen späteren Zeitpunkt noch nachgereich werden kann.)

21. Juni 2019 (Freitag)
14.15 bis 16.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja

  • Universität Göttingen, Professur für Soziologie mit den Schwerpunkten Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft
  • Direktorin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)
  • Fachaufsicht für die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Göttingen

Bedingungsloses Grundeinkommen - eine emanzipatorische Antwort auf Veränderungen der Arbeitswelt?

Videoaufzeichnung: Vortrag Diskussion

2. Juli 2019 (Dienstag)
18.15 bis 20.00 Uhr

Olshausenstr. 75, Driftmann-Hörsaal (ehem. Hörsaal 3)

Dr. Manuel Franzmann

  • Philosophie-Studium, promovierter Soziologe
  • CAU Kiel, Institut für Pädagogik, Abteilung Allgemeine Pädagogik

Demokratisierung der Muße? Das bedingungslose Grundeinkommen aus bildungstheoretischer Sicht.

Videoaufzeichnung: Vortrag - Diskussion

Abstract